Mrz 14, 2012 | Post by: Sabine No Comments

Ambient Assisted Living in der Pflege

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es 2007 2,25 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. Die Zahl nimmt zu, im Jahr 2030 werden es schätzungsweise 3,4 Millionen sein. Um dem Wunsch vieler Menschen gerecht zu werden, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben, sind neue Strukturen und technische Unterstützung notwendig. Diese technische Assistenz wird unter Ambient Assisted Living, AAL, zusammengefasst und ist gerade im Pflegebereich ein Kernthema. Zwei konkrete Beispiele, die auf der diesjährigen CeBIT Im Forum Health & Vitality vorgestellt wurden, zeigen, wie das in der Praxis aussehen kann.

Ambulante videounterstützte Parkinsontherapie

Dr. Alexander Rzesnitzek aus Koblenz stellte auf der CeBIT sein Projekt zur bedarfsgerechten Versorgung von Parkinsonpatienten vor. Es gibt 280.000 Parkinson-Patienten in Deutschland. Die Erkrankung beginnt im Darm, greift auf das Riechhirn über, dann treten erste motorische Symptome auf und final ist das Großhirn betroffen. Die Folge sind Demenz und Halluzinationen. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung wird das therapeutische Fenster immer kleiner und die Einstellung der Medikamente immer schwieriger. Ziel der Therapie sollte also sein, die Medikation gut einzustellen, das Umfeld des Patienten zu stabilisieren und Klinikeinweisungen zu vermeiden. Rzesnitzek berichtet, dass Patienten ihrem niedergelassenen Neurologen per Videosystem mitteilen können, wie es ihnen geht. Anhand der Videos kann sich der Arzt ein genaues Bild von seinem Patienten machen und gemeinsam mit der beteiligten Klinik die Therapie entsprechend anpassen. Klinikeinweisungen werden vermieden, was für den Patienten und den weiteren Verlauf der Erkrankung von Vorteil ist.

AAL-Assistenz in der häuslichen Pflege

Rund 2/3 der Pflegebedürftigen werden nach Angaben von Udo Gaden, Leiter F&E, Sozialwerk St. Georg, Gelsenkirchen, zu Hause versorgt, jeder Zweite ohne professionelle Hilfe. Um die Pflegenden zu unterstützen und eine Betreuung zu Hause möglichst lange zu ermöglichen, werden in Gelsenkirchen daher technische Assistenzsysteme eingesetzt. Sensoren in den Räumen zeichnen Bewegungen auf und geben Alarm, wenn etwas ungewöhnlich ist. Solch ein System bemerkt, wenn der Patient zum Beispiel nachts aufsteht und nicht wieder ins Bett zurückkommt. Weitere Sensoren an Kühlschrank und Herd oder Überflutungsschutz im Bad, helfen Notfälle schnell zu erkennen. Bei Unregelmäßigkeiten geht eine Nachricht an eine Serviceleitstelle oder an Verwandte und Nachbarn. So kann schnell telefonisch oder auch persönlich vor Ort überprüft werden, ob und was passiert ist. Wichtig ist, nach Ansicht von Gaden, auch die Schulung der Mitarbeiter und die ausführliche Information der Patienten und ihrer Angehörigen. Es gilt Vorbehalte abbauen, denn es geht nicht um Beobachtung und Beschneidung der Privatsphäre. Alle Daten verbleiben in der Wohnung. Nur im Fall eines Alarms geht eine Meldung an die verabredete Stelle raus. Das kann ein Angehöriger, ein Nachbar oder idealerweise eine rund um die Uhr verfügbare Serviceleitstelle sein.

Weitere Beiträge von mir zum Thema Health-IT gibt es bei xing im Forum „Mobile Medizin“ der Dell Enterprise Community.

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