Okt 05, 2011 | Post by: Sabine No Comments

DGN 2011: Deutsche Neurologen gehen neue Wege beim Schlaganfall

Zukunft braucht Neurologen – das war das Motto des diesjährigen Neurologenkongresses in Wiesbaden. Berufspolitische und wissenschaftliche Themen standen auf dem Programm. Erkrankungen wie Schlaganfall und Demenz werden in den kommenden Jahren neue Anforderungen an die Neurologie stellen. Aus dem vielfältigen Themenspektrum habe ich den Schlaganfall ausgesucht – aus persönlichem Interesse und weil aktuell zwei von der EU finanzierte Forschungsprojekte unter deutscher Leitung an den Start gehen.

Zukunft braucht Neurologen

Mehr als 250.000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall. Rund 20 Prozent davon sterben und weitere 30 Prozent bleiben pflegebedürftig. Damit ist der Schlaganfall sowohl eine medizinische als auch eine soziale und ökonomische Herausforderung. Vorbeugung, Diagnose und Therapie des Schlaganfalls waren daher zentrale Themen der rund 4.500 Teilnehmer des Kongresses in Wiesbaden. Auf der Fachpressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) am Freitag, 30. September 2011, wurden unter anderem zwei Studien unter deutscher Leitung vorgestellt, die die Europäische Union mit insgesamt rund 23 Millionen Euro fördert.

WAKE-UP: Wenn der Schlaganfall im Schlaf kommt

Der Faktor Zeit ist beim Schlaganfall von entscheidender Bedeutung. Liegt der Schlaganfall mehr als 4,5 Stunden zurück, empfehlen Richtlinien, eine thrombolytische Therapie, also ein Auflösen von Blutgerinnseln, nicht mehr durchzuführen. Patienten, die den Schlaganfall im Schlaf erleiden und erst nach dem Aufwachen die Symptome bemerken, können keine Auskunft darüber geben, wann die Symptome begonnen haben. Das betrifft immerhin 20 Prozent der Schlaganfall-Patienten. Eine neue Vorgehensweise in der Auswertung von Magnetresonanztomografie (MRT)- Bildern des Gehirns klärt nun mit 80 bis 90prozentiger Sicherheit, ob ein Schlaganfall mehr als 4,5 Stunden zurück liegt. Dieser Nachweis eröffnet die Möglichkeit, Patienten mit Schlaganfall im Schlaf mit einer Thrombolyse zu behandeln. Die WAKE-UP-Studie soll nun den Nutzen eines solchen Vorgehens beweisen. Die klinische Studie mit voraussichtlich 800 Patienten ist auf 5 Jahre angelegt und stellt eine Kooperation mit Partnern aus England, Frankreich, Spanien, Dänemark, Belgien und Deutschland dar. „So könnte bald jeder, der mit Symptomen erwacht, im Krankenhaus eine MRT bekommen und die Chance auf eine Thrombolyse erhalten“, so Professor Christian Gerloff, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Unterkühlung ist eine heiße Spur

Die zweite Studie, EuroHYP-1, soll zeigen, dass ein Absenken der Körpertemperatur bei ischämischen Schlaganfällen wertvolles Hirngewebe bewahren kann. Bei der Therapie von Hirnschäden nach Reanimation und der Versorgung von Neugeborenen mit Sauerstoffmangel spielt dieses Verfahren bereits eine große Rolle. Die randomisierte Phase-3-Multizenterstudie EuroHYP-1 ist auf 4 Jahre angelegt und wird bei 1.500 Patienten den Nutzen dieser Therapie untersuchen. „Beginnt man die Patienten bis spätestens sechs Stunden nach den ersten Symptomen auf Temperaturen um die 34 Grad herunterzukühlen, kann man doppelt so viel Hirngewebe retten wie beispielsweise mit einer alleinigen Thrombolyse“, berichtet Professor Stefan Schwab, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Rund 500.000 Patienten könne die neue Methode im Jahr helfen.

https://www.dgn.org/

DGN-Logo

DGN Fotoarchiv

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.